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THG-Bilanz

Aktualisiert: März 2026 · Lesezeit: 1 Min.

Die THG-Bilanz (Treibhausgasbilanz) erfasst systematisch alle direkten und indirekten Treibhausgasemissionen eines Unternehmens – aufgeteilt in Scope 1, 2 und 3. Sie ist die Datengrundlage für CSRD-Reporting, Klimastrategien und Reduktionsziele.

Einschätzung der ComplianceWerkstatt

Die erste THG-Bilanz klingt nach Mammutprojekt. Ist sie aber nicht — wenn Sie sich auf die wesentlichen Kategorien fokussieren. Der häufigste Fehler: zu breit streuen und die Fachbereiche nicht einbinden. Die ESG-Abteilung hat keine Datenhoheit. Sie hat eine Holschuld. Wer Einkauf, Facility Management und Controlling von Anfang an mit ins Boot holt, spart sich Monate. Und der Lohn geht über die Pflicht hinaus: Einsparungspotenziale identifizieren, Reputationsgewinn und ein echter Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen, die noch im Blindflug unterwegs sind.

Was ist eine THG-Bilanz?

Eine THG-Bilanz quantifiziert die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens in CO₂-Äquivalenten (CO₂e). Die international anerkannte Methodik stammt vom GHG Protocol, das drei Scopes definiert:

Scope 1 – Direkte Emissionen aus eigenen Quellen (z. B. Fuhrpark, Heizung, Produktionsprozesse). Scope 2 – Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie (Strom, Fernwärme). Scope 3 – Alle übrigen indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette (z. B. Geschäftsreisen, eingekaufte Güter, Pendlerwege, Abfallentsorgung).

Regulatorischer Kontext

RegelwerkTHG-BezugStand
CSRD / ESRS E1THG-Bilanz ist Pflichtbestandteil des Klimaberichts (Scope 1, 2 + wesentliche Scope-3-Kategorien)In Kraft
GHG ProtocolInternationaler Methodikstandard für die BilanzierungCorporate Standard (rev. 2015)
EU-TaxonomieKlimabeitrag nachweisen erfordert THG-DatenIn Kraft
Science Based Targets (SBTi)THG-Bilanz als Ausgangsbasis für ReduktionszieleFreiwillig

Warum lohnt sich die THG-Bilanz über die Pflicht hinaus?

Die THG-Bilanz ist weit mehr als ein Compliance-Dokument. Unternehmen, die ihre Emissionen kennen, identifizieren konkrete Einsparpotenziale: Energiekosten senken, Logistikrouten optimieren, Lieferanten nach Klimaperformance bewerten. Banken und Investoren fordern zunehmend belastbare Klimadaten als Voraussetzung für Sustainability-Linked Loans.

Für KMU gilt: Scope 1 und 2 sind oft in wenigen Wochen erfasst. Scope 3 erfordert mehr Aufwand, liefert aber die größten strategischen Einsichten – besonders in den Kategorien eingekaufte Güter und Dienstleistungen.

✅ Schnell-Check

Betreibt Ihr Unternehmen eigene Fahrzeuge, Heizungsanlagen oder Produktionsanlagen?

Bezieht Ihr Unternehmen Strom oder Fernwärme?

Kaufen Sie Güter oder Dienstleistungen von Zulieferern ein?

Haben Ihre Mitarbeitenden Geschäftsreisen oder Pendelwege?

Häufige Fehler

Scope 3 ignorieren oder komplett auslassen

Scope 3 macht bei den meisten Unternehmen 70–90 % der Gesamtemissionen aus. Wer ihn weglässt, berichtet nur einen Bruchteil und verpasst die größten Reduktionshebel.

Datenerhebung ohne Fachbereiche

Die ESG-Abteilung hat selten direkten Zugriff auf Verbrauchsdaten. Ohne frühzeitige Einbindung von Einkauf, Facility Management und Controlling ziehen sich Datenlücken über Monate.

Perfekte Daten statt pragmatischem Start

Die erste THG-Bilanz muss nicht perfekt sein. Branchenspezifische Emissionsfaktoren und Schätzungen sind für den Anfang zulässig – wichtig ist, dass Sie überhaupt starten und die Datenbasis iterativ verbessern.

Verwandte Begriffe

Quellen

Stand: März 2026. Dieser Glossar-Eintrag dient der Wissensvermittlung und stellt keine Rechtsberatung dar. Regulatorische Änderungen vorbehalten.

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