ESG & Nachhaltigkeit

THG-Bilanz erstellen

Wie Sie als KMU Ihre Treibhausgasbilanz erstellen – Scope 1, 2 und 3 Schritt für Schritt. Mit konkreten Emissionsfaktoren (UBA 2024, DEFRA, IPCC AR6), Praxis-Tipps zur Datensammlung und einem 6-Wochen-Zeitplan für die erste Bilanz.

Inhaltsverzeichnis

363 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde Strom. Das war der deutsche Durchschnitt im Jahr 2024. Wissen Sie, wie viel Ihr Unternehmen pro Jahr ausstößt? Falls nicht, sind Sie in guter Gesellschaft. Die meisten KMU kennen ihre Treibhausgasemissionen nicht – und verschenken damit bares Geld.

Denn eine THG-Bilanz ist kein bürokratisches Pflichtprogramm. Sie ist der Schlüssel zu Energieeinsparungen, günstigeren Finanzierungen und besserer Positionierung in der Lieferkette. Wer misst, kann steuern. Wer steuert, kann sparen.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihre THG-Bilanz erstellen – von den Systemgrenzen über die Emissionsfaktoren bis zum fertigen Dashboard. Pragmatisch, ohne Beraterjargon und mit einem Excel-Tool, das die Berechnung für Sie übernimmt. Wenn Sie noch ganz am Anfang Ihres ESG-Systems stehen, empfehlen wir Ihnen zuerst unseren Überblicksartikel.

Warum jedes Unternehmen eine THG-Bilanz braucht

Die Treibhausgasbilanz (auch: Corporate Carbon Footprint, CCF) erfasst sämtliche Treibhausgasemissionen Ihres Unternehmens in einem definierten Zeitraum. Gemessen wird in Tonnen CO₂-Äquivalenten (t CO₂e) – einer Einheit, die neben Kohlendioxid auch Methan, Lachgas und weitere klimawirksame Gase einschließt.

Drei Gründe, warum die THG-Bilanz auch für nicht berichtspflichtige Unternehmen relevant ist:

1. Banken fragen nach. Kreditinstitute müssen seit der SFDR-Verordnung die Nachhaltigkeitsrisiken ihrer Portfolios offenlegen. Das bedeutet: Ihre Bank wird früher oder später THG-Daten von Ihnen anfordern – spätestens beim nächsten Kreditantrag. Unternehmen, die diese Daten liefern können, verhandeln bessere Konditionen. Stichwort: Sustainability-Linked Loans.

2. Ihre Kunden in der Lieferkette brauchen Ihre Daten. Großunternehmen müssen für ihre Scope-3-Bilanz die Emissionen ihrer Zulieferer kennen. Wer diese Daten proaktiv liefert, wird zum bevorzugten Partner. Wer nicht liefert, steht auf der Abschussliste.

3. Energiekosten senken. Klingt banal, ist aber der größte Quick Win. Erst wenn Sie wissen, wo wie viel Energie verbraucht wird, können Sie gezielt optimieren. Die THG-Bilanz macht Energiefresser sichtbar, die Sie sonst übersehen.

Value Creation: Ein mittelständischer Automobilzulieferer konnte durch seine erste THG-Bilanz den größten Scope-1-Treiber identifizieren: eine veraltete Heizungsanlage. Durch den Austausch sparte das Unternehmen 18 % seiner jährlichen Erdgaskosten ein – bei einer Amortisation von unter 2 Jahren. Ohne die systematische Bilanzierung wäre der Handlungsbedarf nicht sichtbar geworden.

Für CSRD-pflichtige Unternehmen kommt der regulatorische Aspekt hinzu: Der ESRS E1 (Klimawandel) verlangt die Offenlegung von Scope-1-, Scope-2- und wesentlichen Scope-3-Emissionen. Das GHG Protocol (Greenhouse Gas Protocol) ist der international anerkannte Standard dafür – und die Grundlage der ESRS-Anforderungen.

Auch nach dem Omnibus-Paket (Richtlinie (EU) 2026/470, in Kraft seit 18. März 2026) gilt: Zwar verengt sich der Kreis der direkt berichtspflichtigen Unternehmen auf über 1.000 Mitarbeitende und über 450 Mio. € Umsatz. Aber die indirekte Betroffenheit über Lieferkette und Banken bleibt. Der VSME-Standard macht THG-Daten auch für kleinere Unternehmen zur Erwartung – nicht zur Pflicht, aber zur Realität.

Scope 1, 2 und 3: Was wird bilanziert?

Das GHG Protocol teilt Treibhausgasemissionen in drei Bereiche (Scopes). Diese Einteilung ist kein akademisches Konstrukt – sie bestimmt, welche Daten Sie erheben müssen und woher Sie diese bekommen.

Scope 1: Direkte Emissionen

Alles, was Ihr Unternehmen selbst verbrennt oder freisetzt:

  • Erdgas für Heizung und Prozesswärme

  • Fuhrpark – Diesel, Benzin, LPG der unternehmenseigenen Fahrzeuge

  • Kältemittel – Leckagen aus Klimaanlagen und Kühlsystemen (z.B. R410A mit einem Treibhauspotenzial von 2.088 laut IPCC AR6)

  • Notstromaggregate – Diesel für Generatoren

Die Daten für Scope 1 liegen in der Regel im Haus: Gasrechnungen, Tankkartenabrechnungen, Wartungsprotokolle der Klimaanlagen.

Scope 2: Eingekaufte Energie

Emissionen, die bei der Erzeugung Ihrer eingekauften Energie entstehen – also nicht bei Ihnen vor Ort, sondern im Kraftwerk:

  • Strom – der größte Posten für die meisten KMU

  • Fernwärme und Fernkälte

  • Dampf (bei Industrieunternehmen)

Hier wird es methodisch spannend: Das GHG Protocol verlangt die Berechnung nach zwei Methoden:

Methode

Was sie zeigt

Emissionsfaktor

Location-based

Durchschnittliche Emissionen des Stromnetzes, in dem Sie sich befinden

UBA-Strommix: 363 g CO₂/kWh (2024)

Market-based

Emissionen basierend auf Ihrem konkreten Stromvertrag

Abhängig vom Anbieter (z.B. 0 g bei zertifiziertem Ökostrom mit Herkunftsnachweis)

Praxis-Tipp: Berechnen Sie immer beide Werte. Der location-based Faktor zeigt Ihre tatsächliche Netzbelastung. Der market-based Faktor spiegelt Ihre Einkaufsentscheidung wider. Für die ESRS-E1-Berichterstattung werden beide verlangt.

Konkretes Beispiel: Ein Bürostandort verbraucht 100.000 kWh Strom pro Jahr. Location-based: 100.000 kWh × 363 g/kWh = 36,3 t CO₂. Market-based mit zertifiziertem Ökostrom (Herkunftsnachweis): 0 t CO₂. Ohne Ökostrom-Vertrag greift der sogenannte Residualmix – ein Emissionsfaktor, der nur den nicht-zertifizierten Anteil des Strommixes abbildet und in Deutschland deutlich höher liegt als der Durchschnittsmix (oft über 500 g CO₂/kWh). Der Wechsel zu einem Ökostromtarif mit Herkunftsnachweis ist deshalb einer der einfachsten Hebel, um die market-based Scope-2-Bilanz signifikant zu verbessern.

Scope 3: Vorgelagerte und nachgelagerte Emissionen

Scope 3 ist der Bereich, an dem die meisten Unternehmen scheitern – oder aufgeben. Das GHG Protocol definiert 15 Kategorien für vor- und nachgelagerte Emissionen. Alle 15 Kategorien zu erfassen, ist für ein KMU weder realistisch noch nötig.

Unser Ansatz: 5 Kategorien für den Start. Fokussieren Sie sich auf die Scope-3-Kategorien, die für die meisten KMU den größten Anteil ausmachen:

Kat.

Bezeichnung

Typische Datenquelle

Relevanz KMU

3.1

Eingekaufte Güter & Dienstleistungen

Einkaufsdaten, Rechnungen

Sehr hoch

3.3

Brennstoff- & energiebezogene Emissionen (nicht in Scope 1/2)

Automatisch aus Scope 1/2 ableitbar

Hoch

3.5

Abfallentsorgung

Entsorgungsnachweise

Mittel

3.6

Geschäftsreisen

Reisekostenabrechnungen

Mittel–hoch

3.7

Pendeln der Mitarbeitenden

Mitarbeiterbefragung

Mittel

Die restlichen 10 Kategorien (z.B. Investitionen, Nutzung verkaufter Produkte, Franchises) sind für die meisten KMU vernachlässigbar oder methodisch extrem aufwändig. Erweitern können Sie später – starten Sie lieber mit soliden Daten in 5 Kategorien als mit Schätzwerten in 15.

Spend-based oder Activity-based? Für Scope 3.1 (eingekaufte Güter) gibt es zwei Berechnungsansätze. Die spend-based Methode nutzt Ihre Einkaufsausgaben in Euro und branchenspezifische Emissionsfaktoren pro Euro. Das ist einfacher, aber ungenauer. Die activity-based Methode verwendet physische Mengen (kg Stahl, Tonnen Papier) und produktspezifische Faktoren. Das ist präziser, erfordert aber Daten von Ihren Lieferanten.

Für den Start empfehlen wir den spend-based Ansatz: Er lässt sich aus Ihrer Buchhaltung ableiten und liefert eine Größenordnung. Im zweiten oder dritten Bilanzjahr können Sie für die größten Materialpositionen auf activity-based wechseln – und so schrittweise genauer werden.

Emissionsfaktoren: Woher kommen die Zahlen?

Die THG-Bilanz basiert auf einer einfachen Formel:

Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = Emissionen (in t CO₂e)

Aktivitätsdaten sind Ihre Verbrauchswerte: Kilowattstunden Strom, Liter Diesel, Kubikmeter Erdgas. Die Emissionsfaktoren übersetzen diese Verbräuche in Treibhausgasemissionen. Die Qualität Ihrer Bilanz steht und fällt mit der Wahl der richtigen Faktoren.

Vier Quellengruppen sind für KMU in Deutschland relevant:

Quelle

Was sie abdeckt

Typische Nutzung

UBA (Umweltbundesamt)

Deutscher Strommix, Fernwärme, Erdgas

Scope 2 (location-based), Scope 1 (Erdgas)

GHG Protocol

Standardfaktoren für Brennstoffe weltweit

Scope 1 (Diesel, Benzin, Heizöl)

DEFRA (UK Department for Environment)

Jährlich aktualisierte Faktoren für Geschäftsreisen, Pendeln, Abfall

Scope 3 (Kategorien 3.5, 3.6, 3.7)

IPCC AR6

GWP-Werte (Treibhauspotenziale) für Kältemittel und Gase

Scope 1 (Kältemittel)

Warum DEFRA? Die britische Umweltbehörde veröffentlicht jedes Jahr einen umfassenden Emissionsfaktoren-Katalog, der international anerkannt ist und speziell für Unternehmensbilanzen konzipiert wurde. Für Scope-3-Kategorien wie Geschäftsreisen (Flug, Bahn, Mietwagen) oder Abfallentsorgung gibt es keine vergleichbare deutsche Quelle mit dieser Detailtiefe.

Einige konkrete Emissionsfaktoren, die Sie immer wieder brauchen werden:

Energieträger / Aktivität

Emissionsfaktor

Quelle

Strom DE (location-based)

363 g CO₂/kWh

UBA 2024

Erdgas

201 g CO₂/kWh

UBA / GHG Protocol

Diesel (Fuhrpark)

2,65 kg CO₂/Liter

GHG Protocol

Benzin (Fuhrpark)

2,31 kg CO₂/Liter

GHG Protocol

Kurzstreckenflug (< 3.700 km)

ca. 0,25 kg CO₂e/Pkm

DEFRA 2024

Bahnfahrt (DE, Fernverkehr)

ca. 0,03 kg CO₂e/Pkm

UBA / DB

Praxis-Tipp: Sie müssen diese Faktoren nicht selbst recherchieren. Das THG-Bilanz Tool der ComplianceWerkstatt enthält alle relevanten Emissionsfaktoren bereits hinterlegt – für Scope 1, 2 und die 5 wichtigsten Scope-3-Kategorien. Sie tragen nur Ihre Verbrauchsdaten ein.

Wichtig: Emissionsfaktoren ändern sich jährlich. Der UBA-Strommix-Faktor ist von 433 g (2022) über 386 g (2023) auf 363 g (2024) gesunken – ein Rückgang von 16 % in nur zwei Jahren. Verwenden Sie deshalb immer die Faktoren des Berichtsjahres, nicht pauschal einen Vorjahreswert.

THG-Bilanz in 4 Schritten erstellen

Genug Theorie. So gehen Sie konkret vor – vom leeren Excel-Sheet bis zur fertigen Bilanz.

Schritt 1: Systemgrenzen definieren

Bevor Sie eine einzige Zahl erfassen, legen Sie fest, was bilanziert wird:

  • Organisationsgrenze: Welche Standorte, Tochtergesellschaften oder Betriebsstätten gehören zur Bilanz? Das GHG Protocol kennt drei Ansätze: Eigenkapitalanteil, finanzielle Kontrolle oder operative Kontrolle. Für KMU mit einem Standort ist die Antwort einfach. Bei mehreren Standorten empfehlen wir den Ansatz der operativen Kontrolle.

  • Berichtszeitraum: In der Regel ein Kalenderjahr (1. Januar bis 31. Dezember).

  • Scope-Abdeckung: Scope 1 und 2 sind Pflicht. Für Scope 3 definieren Sie, welche der 5 empfohlenen Kategorien Sie einbeziehen. Dokumentieren Sie Ihre Entscheidung – das ist für spätere Vergleichbarkeit entscheidend.

Fehler Nr. 1: Systemgrenzen nicht dokumentieren. Wenn Sie im Folgejahr vergleichen wollen (und das werden Sie), müssen die Grenzen identisch sein. Sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.

Schritt 2: Aktivitätsdaten sammeln

Jetzt wird es operativ. Für jede Emissionsquelle brauchen Sie Verbrauchsdaten. Die gute Nachricht: Die meisten Daten liegen bereits vor – nur nicht in einer Datei.

Scope

Datenquelle

Wo finden?

1 – Erdgas

Jahresverbrauch in kWh

Gasrechnung des Versorgers

1 – Fuhrpark

Liter Diesel/Benzin pro Jahr

Tankkartenabrechnungen

1 – Kältemittel

Nachfüllmenge in kg

Wartungsprotokolle Klimaanlage

2 – Strom

Jahresverbrauch in kWh

Stromrechnung

2 – Fernwärme

Jahresverbrauch in kWh/MWh

Wärmerechnung

3.1 – Eingekaufte Güter

Ausgaben in € oder Mengen in kg/t

Einkaufs-/Buchhaltungssystem

3.6 – Geschäftsreisen

Kilometer oder Personenkilometer

Reisekostenabrechnungen

3.7 – Pendeln

km pro Mitarbeitendem, Verkehrsmittel

Mitarbeiterbefragung

Praxis-Tipp: Starten Sie mit den Daten, die Sie in unter einer Woche beschaffen können. Gasrechnung, Stromrechnung, Tankkarten – das sind 80 % Ihrer Scope-1- und Scope-2-Bilanz. Die Scope-3-Daten können Sie in einer zweiten Runde ergänzen.

Schritt 3: Emissionsfaktoren zuordnen und berechnen

Jede Aktivitätsdatenzeile wird mit dem passenden Emissionsfaktor multipliziert. Die Grundformel bleibt immer dieselbe:

Verbrauch (z.B. 50.000 kWh Strom) × Emissionsfaktor (363 g CO₂/kWh) = Emissionen (18,15 t CO₂)

Bei Kältemitteln funktioniert es anders: Hier multiplizieren Sie die nachgefüllte Menge (in kg) mit dem GWP-Wert (Global Warming Potential) des jeweiligen Kältemittels. Beispiel: 2 kg R410A-Nachfüllung × 2.088 GWP = 4,18 t CO₂e. Dieser Posten wird häufig unterschätzt.

Drei typische Rechenfehler, die Sie vermeiden sollten:

  • Einheiten verwechseln: kWh und MWh, Liter und Kubikmeter, Gramm und Kilogramm. Prüfen Sie jede Zeile auf konsistente Einheiten.

  • Scope-2-Methode vergessen: Nur location-based berechnen, market-based weglassen (oder umgekehrt). Beide sind relevant.

  • Scope-3-Doppelzählung: Strom-Vorketten (Kategorie 3.3) nicht zusätzlich in Scope 2 zählen. Die Brennstoff- und energiebezogenen Emissionen der Vorkette gehören in Scope 3.3.

Schritt 4: Ergebnisse konsolidieren und darstellen

Am Ende fließen alle Berechnungen in ein Dashboard zusammen. Eine aussagekräftige THG-Bilanz enthält mindestens:

  • Gesamtemissionen in t CO₂e (Scope 1 + 2 + 3)

  • Aufschlüsselung nach Scopes – Wie groß ist der Anteil von Scope 1, 2 und 3?

  • Top-5-Emissionsquellen – Wo liegen Ihre größten Hebel?

  • Scope-2-Doppelausweis – location-based und market-based nebeneinander

  • Vorjahresvergleich (ab dem zweiten Bilanzjahr) – Entwicklung und Trend

Ein häufiges Ergebnis bei KMU: Scope 3 macht 50–70 % der Gesamtemissionen aus, obwohl dort die größte Datenunsicherheit herrscht. Das ist normal. Dokumentieren Sie Ihre Annahmen und Datenquellen – das schafft Glaubwürdigkeit, auch wenn die Zahlen nicht perfekt sind.

Praxis-Beispiel: Ein Dienstleistungsunternehmen mit 80 Mitarbeitenden hat seine erste THG-Bilanz in 3 Wochen erstellt: 1 Woche Datensammlung (Strom, Gas, Fuhrpark, Reisekosten), 1 Woche Berechnung und Prüfung, 1 Woche Dashboard und Dokumentation. Gesamtergebnis: 285 t CO₂e, davon 62 % in Scope 3. Größter Einzelposten: eingekaufte IT-Dienstleistungen.

Die 3 häufigsten Fehler bei der ersten THG-Bilanz

Wir sehen bei KMU immer wieder dieselben Stolperfallen. Drei davon kosten Sie entweder Glaubwürdigkeit oder unnötig Zeit:

Fehler 1: Perfektionismus bei Scope 3. Manche Unternehmen investieren Monate in die Erfassung aller 15 Scope-3-Kategorien – und veröffentlichen am Ende gar nichts, weil die Datenqualität nicht “gut genug” war. Besser: 5 Kategorien solide bilanzieren, Annahmen dokumentieren und transparent kommunizieren. Eine lückenhafte, aber ehrliche Bilanz ist wertvoller als gar keine.

Fehler 2: Kältemittel ignorieren. Viele KMU erfassen Erdgas und Strom – und übersehen die Kältemittel. Dabei kann eine einzige undichte Klimaanlage mit R410A-Leckagen mehr CO₂e verursachen als der gesamte Jahresstromverbrauch eines kleinen Bürostandorts. Fragen Sie Ihren Wartungsdienstleister nach den Nachfüllprotokollen.

Fehler 3: Kein Basisjahr festlegen. Ohne Referenzpunkt können Sie keine Reduktionserfolge messen. Definieren Sie Ihr erstes Bilanzjahr als Basis und halten Sie die Systemgrenzen für Folgejahre identisch. Nur so werden Ihre Daten vergleichbar – für Ihr eigenes Controlling, für Banken und für den Management-Report an den Vorstand.

Zeitplan: Erste THG-Bilanz für ein KMU

Woche

Aufgabe

Beteiligte

1

Systemgrenzen definieren, Datenquellen identifizieren

ESG-Beauftragter / Geschäftsführung

2–3

Aktivitätsdaten sammeln (Scope 1 & 2 zuerst, dann Scope 3)

Facility Management, Buchhaltung, Fuhrparkmanager

4

Emissionsfaktoren zuordnen und berechnen

ESG-Beauftragter

5

Ergebnisse konsolidieren, Dashboard erstellen, Dokumentation

ESG-Beauftragter

6

Review durch Geschäftsführung, Maßnahmen ableiten

Geschäftsführung, ESG-Beauftragter

Sechs Wochen – das ist der realistische Zeitrahmen für eine erste THG-Bilanz. Nicht sechs Monate. Der größte Zeitfresser ist erfahrungsgemäß die Datensammlung in Woche 2 und 3, besonders wenn Daten über verschiedene Abteilungen verstreut sind. Planen Sie hier ausreichend Puffer ein.

ESRS E1-ready: THG-Daten für den Nachhaltigkeitsbericht

Falls Ihr Unternehmen unter die CSRD fällt – oder künftig fallen wird – sollten Sie die THG-Bilanz von Anfang an ESRS-kompatibel aufsetzen. Der ESRS E1 (Klimawandel) definiert konkrete Datenpunkte, die Sie in Ihrem Nachhaltigkeitsbericht offenlegen müssen.

Die wichtigsten ESRS-E1-Anforderungen an Ihre THG-Bilanz:

  • E1-6: Brutto-Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen – getrennt ausgewiesen, in t CO₂e

  • Scope 2 in beiden Methoden – location-based und market-based (genau das, was wir oben beschrieben haben)

  • Wesentliche Scope-3-Kategorien – welche Kategorien Sie einbeziehen, hängt von Ihrer doppelten Wesentlichkeitsanalyse ab

  • Basisjahr – ein Referenzjahr, gegen das künftige Reduktionen gemessen werden

  • Intensitätskennzahlen – z.B. t CO₂e pro Mio. € Umsatz oder pro Mitarbeitendem

Auch für Unternehmen, die den VSME-Standard nutzen (also die vereinfachte freiwillige Berichterstattung für KMU), sind THG-Emissionsdaten ein zentraler Bestandteil. Der VSME verlangt keine Scope-3-Daten – aber Scope 1 und 2 werden erwartet.

Unser Rat: Wenn Sie heute Ihre erste THG-Bilanz erstellen, setzen Sie das erste Bilanzjahr als Basisjahr. So haben Sie sofort eine Vergleichsgrundlage und können ab dem zweiten Jahr Reduktionserfolge belegen – gegenüber Banken, Kunden und im eigenen Management-Report.

Die THG-Bilanz ist dabei nicht das Ende, sondern der Startpunkt: Aus den Ergebnissen leiten Sie konkrete Maßnahmen ab und speisen die Daten in Ihre ESG-KPI-Struktur ein.

Von der Bilanz zur Reduktion: Der ESRS E1 verlangt neben der reinen Emissionserfassung auch Angaben zu Reduktionszielen und -maßnahmen. Sobald Ihre erste Bilanz steht, identifizieren Sie die Top-3-Emissionsquellen und definieren konkrete Reduktionsziele. Ein typisches erstes Ziel für KMU: 10–15 % Reduktion in Scope 1 und 2 innerhalb von 3 Jahren. Das ist ambitioniert genug, um Glaubwürdigkeit zu schaffen, und realistisch genug, um es tatsächlich zu erreichen – etwa durch den Wechsel zu Ökostrom (Scope 2), effizientere Heizsysteme (Scope 1) oder die Umstellung des Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge (Scope 1). Die Bilanz liefert die Datenbasis, die Maßnahmen liefern die Wirkung.


Nächster Schritt: THG-Bilanz erstellen – ohne Vorwissen

Sie kennen jetzt die Methodik. Was fehlt, ist das Werkzeug. Das THG-Bilanz Tool der ComplianceWerkstatt ist ein Excel-basiertes Komplett-Tool: Scope 1, 2 und 3 (5 Kategorien), alle Emissionsfaktoren hinterlegt (UBA, GHG Protocol, DEFRA, IPCC AR6), automatische Berechnung, Dashboard mit Scope-Verteilung und Top-Emissionsquellen. Sie tragen Ihre Verbrauchsdaten ein – das Tool rechnet.

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Stand: Februar 2026. Dieser Artikel dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Regulatorische Änderungen vorbehalten.
MZ

Marvin Zimbelmann

Head of Governance, Risk & Compliance · MBA-Dozent · Podcast-Host

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