Doppelte Wesentlichkeitsanalyse: Anleitung für den Einstieg
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist der Startpunkt jedes ESG-Systems. Dieser Artikel zeigt in 5 Schritten, wie Sie Impact- und Financial Materiality bewerten – pragmatisch, ohne Software-Abo, mit einer Excel-Vorlage, die sofort einsetzbar ist. Inklusive Beispiel-Shortlist, Bewertungs-Rechenbeispiel und realistischem Zeitplan für KMU.
Inhaltsverzeichnis
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist der Dreh- und Angelpunkt jedes ESG-Systems. Ohne sie wissen Sie nicht, welche Nachhaltigkeitsthemen für Ihr Unternehmen wirklich zählen. Das Ergebnis: Sie berichten über alles ein bisschen – und nichts davon richtig.
Ob CSRD-pflichtig oder nicht: Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse liefert Ihnen die strategische Grundlage für Ihr gesamtes ESG-Engagement. Sie zeigt, wo Ihr Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft einwirkt – und wo Nachhaltigkeitsthemen Ihr Geschäftsmodell finanziell betreffen. Zwei Perspektiven, eine Analyse, ein Ergebnis: Klarheit.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse Schritt für Schritt durchführen – pragmatisch, ohne Software-Abo, mit einer Excel-Vorlage, die sofort einsetzbar ist.
Was ist die doppelte Wesentlichkeitsanalyse?
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse (Double Materiality Assessment) kombiniert zwei Perspektiven:
Impact Materiality (Inside-Out): Welche Auswirkungen hat Ihr Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft? Beispiel: CO₂-Emissionen Ihres Fuhrparks, Arbeitsbedingungen in der Lieferkette, Abfallaufkommen in der Produktion.
Financial Materiality (Outside-In): Welche Nachhaltigkeitsthemen beeinflussen Ihr Unternehmen finanziell? Beispiel: steigende Energiepreise durch CO₂-Bepreisung, Fachkräftemangel durch fehlende ESG-Positionierung, Kreditkonditionen abhängig von ESG-Ratings.
Ein Thema ist wesentlich, wenn es aus mindestens einer der beiden Perspektiven relevant ist. Das Konzept stammt aus den European Sustainability Reporting Standards (ESRS), die im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) gelten.
IROs: Impacts, Risks, Opportunities
Die ESRS verwenden den Begriff IRO – Impacts (Auswirkungen), Risks (Risiken) und Opportunities (Chancen). Ihre doppelte Wesentlichkeitsanalyse identifiziert genau diese drei Elemente für jedes Nachhaltigkeitsthema. Das klingt komplex, lässt sich aber systematisch abarbeiten.
Warum auch ohne CSRD-Pflicht?
Seit dem EU Omnibus-Paket (Richtlinie 2026/470, in Kraft seit 18. März 2026) sind deutlich weniger Unternehmen direkt CSRD-pflichtig: Nur noch Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Mio. Euro Umsatz müssen berichten. Das reduziert den Anwenderkreis um rund 90 %.
Trotzdem bleibt die doppelte Wesentlichkeitsanalyse relevant – aus drei Gründen:
Lieferkette: Berichtspflichtige Unternehmen fragen ESG-Daten bei Zulieferern ab. Der VSME-Standard dient dabei als „Value Chain Cap“ – das Format, in dem KMU Daten liefern sollen.
Finanzierung: Banken nutzen SFDR-Klassifizierungen (Art. 6/8/9) und fragen gezielt nach ESG-Daten. Wer keine hat, zahlt höhere Zinsen – oder bekommt keinen Kredit.
Strategie: Die Analyse zeigt, wo ESG-Themen echten Geschäftswert schaffen: Energieeinsparungen, Talent-Attraction, bessere Konditionen bei Ausschreibungen.
Light vs. Vollversion: Was brauchen Sie?
Nicht jedes Unternehmen braucht eine prüffähige Wesentlichkeitsanalyse nach ESRS. Entscheidend ist Ihre Ausgangslage:
Kriterium | DWA Light | DWA Vollversion |
|---|---|---|
Zielgruppe | KMU, ESG-Einsteiger, freiwillig Berichtende | CSRD-pflichtige Unternehmen, Prüfung durch WP |
Umfang | Fokus auf Kern-ESG-Themen (E, S, G) | Alle 10+ ESRS-Standards, vollständige IRO-Bewertung |
Stakeholder-Einbindung | Intern + ausgewählte externe (3–5) | Umfassende Konsultation aller Stakeholder-Gruppen |
Ergebnis | Wesentlichkeitsmatrix, Top-Themen, Handlungsfelder | Prüffähige Dokumentation, ESRS-Mapping, IRO-Register |
Aufwand | 2–4 Wochen (intern) | 2–4 Monate (mit externer Unterstützung) |
Produkt | DWA Light (€79) | Vollversion DWA (€199) im CSRD Deep-Dive Toolkit |
ESG Aufbau Bundle vs. CSRD Deep-Dive Toolkit – was passt?
Das ESG Aufbau Bundle (€499) richtet sich an KMU und ESG-Einsteiger, die ein pragmatisches ESG-System aufbauen wollen – mit der DWA Light als Kernbaustein. Das CSRD Deep-Dive Toolkit (in Vorbereitung) ist für CSRD-pflichtige Unternehmen konzipiert, die eine prüffähige Vollversion der DWA benötigen. Beide Produkte ergänzen sich – die Light-Version ist der ideale Einstieg.
Für die meisten KMU ist die Light-Version der richtige Startpunkt. Sie liefert belastbare Ergebnisse, ohne den Aufwand einer CSRD-konformen Vollanalyse. Und: Falls Sie später CSRD-pflichtig werden, bauen Sie auf der Light-Version auf – nichts war umsonst.
Doppelte Wesentlichkeitsanalyse in 5 Schritten durchführen
Die folgende Anleitung beschreibt den Light-Prozess – geeignet für KMU, freiwillig Berichtende und alle, die ihr ESG-System pragmatisch aufbauen wollen. Die Schritte orientieren sich am ESRS-Framework, sind aber bewusst auf das Wesentliche reduziert.
Schritt 1: Unternehmenskontext verstehen
Bevor Sie Nachhaltigkeitsthemen bewerten, müssen Sie Ihr Unternehmen verstehen – klingt banal, wird aber oft übersprungen.
Dokumentieren Sie:
Geschäftsmodell: Was produzieren oder leisten Sie? Für wen? Mit welchen Ressourcen?
Wertschöpfungskette: Wer sind Ihre Lieferanten? Wo sitzen sie? Welche Rohstoffe oder Vorleistungen beziehen Sie? Was passiert mit Ihren Produkten nach dem Verkauf?
Standorte: Wo sind Sie tätig? Welche lokalen Umwelt- und Sozialaspekte sind relevant?
Regulatorischer Rahmen: Welche ESG-Anforderungen gelten für Sie – direkt (CSRD, LkSG) oder indirekt (Lieferkette, Banken, Kunden)?
Dieser Schritt dauert einen halben bis ganzen Arbeitstag. Das Ergebnis: ein klares Bild Ihres Unternehmens als Ausgangspunkt für die Themenidentifikation.
Praxisbeispiel: Ein Automobilzulieferer mit 150 Mitarbeitenden stellt fest: Die Wertschöpfungskette umfasst Stahllieferanten aus der Türkei und China, energieintensive CNC-Bearbeitung am Standort Bayern, und Lieferung an drei OEMs, die alle ESG-Anforderungen an Zulieferer stellen. Regulatorisch gilt: keine direkte CSRD-Pflicht, aber Datenanfragen über die Lieferkette (VSME-Format) und ESG-Scoring durch die Hausbank. Damit sind die Konturen klar – und die Themenidentifikation in Schritt 3 wird deutlich einfacher.
Schritt 2: Stakeholder identifizieren und priorisieren
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse lebt von Perspektiven. Ihre eigene Einschätzung allein reicht nicht – Sie brauchen den Blick von außen.
Typische Stakeholder-Gruppen im ESG-Kontext:
Intern: Geschäftsführung, Mitarbeitende, Betriebsrat
Kunden: Welche ESG-Anforderungen stellen Ihre Abnehmer?
Lieferanten: Welche Nachhaltigkeitsthemen sind in Ihrer Lieferkette kritisch?
Finanzierer: Banken, Investoren – welche ESG-Daten fragen sie ab?
Regulatoren: Behörden, Branchenverbände, Zertifizierungsstellen
Gesellschaft: Kommunen, NGOs, Anwohner (je nach Geschäftsmodell)
Für die Light-Version reichen 3–5 ausgewählte Stakeholder-Vertreter. Priorisieren Sie nach Einfluss und Betroffenheit. Einen detaillierten Prozess dafür finden Sie im Artikel zur Stakeholder-Analyse für ESG.
Drei Fragen, die Sie Ihren Stakeholdern stellen sollten:
„Welche Nachhaltigkeitsthemen sind für Ihre Zusammenarbeit mit uns am relevantesten?“
„Wo sehen Sie die größten ESG-Risiken oder -Chancen in unserer Geschäftsbeziehung?“
„Welche ESG-Daten erwarten Sie von uns in den nächsten 12 Monaten?“
Diese drei Fragen liefern in 30 Minuten mehr verwertbare Ergebnisse als ein zweistündiger Workshop mit Moderationskarten. Dokumentieren Sie die Antworten – sie fließen direkt in die Bewertung in Schritt 4 ein.
Schritt 3: Nachhaltigkeitsthemen identifizieren – von der Longlist zur Shortlist
Erstellen Sie zunächst eine Longlist aller potenziell relevanten ESG-Themen. Orientierung geben:
ESRS-Standards: Die 10 thematischen Standards (E1–E5, S1–S4, G1) liefern eine vollständige Themenliste
Branchenspezifik: Welche Themen sind in Ihrer Branche besonders relevant? Ein produzierendes Unternehmen hat andere Schwerpunkte als ein Dienstleister.
Stakeholder-Feedback: Was haben Ihre Stakeholder als relevant benannt?
Wettbewerb: Welche Themen adressieren Ihre Wettbewerber in ihren Nachhaltigkeitsberichten?
Aus der Longlist (typisch: 20–30 Themen) filtern Sie die Shortlist (typisch: 8–15 Themen). Kriterium: Ist das Thema aus Impact- oder finanzieller Perspektive potenziell relevant für Ihr Unternehmen? Wenn nein – streichen.
Praxis-Tipp: Weniger ist mehr. 10 gut bewertete Themen liefern mehr Orientierung als 25 oberflächlich bewertete.
Ein Beispiel für eine typische Shortlist eines produzierenden KMU:
Nr. | Thema | ESRS-Bezug | Perspektive |
|---|---|---|---|
1 | Treibhausgasemissionen (Scope 1+2) | E1 | Impact + Financial |
2 | Energieverbrauch & -effizienz | E1 | Impact + Financial |
3 | Abfall & Kreislaufwirtschaft | E5 | Impact + Financial |
4 | Arbeitsbedingungen & Arbeitsschutz | S1 | Impact + Financial |
5 | Aus- und Weiterbildung | S1 | Impact |
6 | Diversität & Chancengleichheit | S1 | Impact |
7 | Arbeitsbedingungen in der Lieferkette | S2 | Impact + Financial |
8 | Anti-Korruption & Geschäftsethik | G1 | Impact + Financial |
9 | Wasserverbrauch | E3 | Impact |
10 | Klimaanpassung & physische Risiken | E1 | Financial |
Diese 10 Themen decken die typischen Schwerpunkte eines produzierenden KMU ab. Ein Dienstleister hätte andere Gewichtungen – weniger E-Themen, mehr S- und G-Themen. Die ESRS-Standards als Ausgangspunkt stellen sicher, dass Sie kein relevantes Feld übersehen.
Schritt 4: Impact-Bewertung und finanzielle Bewertung durchführen
Jetzt wird es konkret. Für jedes Thema auf Ihrer Shortlist bewerten Sie zwei Dimensionen:
Impact-Bewertung (Inside-Out):
Schweregrad: Wie gravierend ist die Auswirkung? (Ausmaß, Umfang, Unumkehrbarkeit)
Eintrittswahrscheinlichkeit: Bei potenziellen Auswirkungen – wie wahrscheinlich treten sie ein?
Finanzielle Bewertung (Outside-In):
Finanzielle Auswirkung: Welchen Einfluss hat das Thema auf Umsatz, Kosten, Vermögenswerte oder Finanzierung?
Eintrittswahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich materialisiert sich das finanzielle Risiko oder die Chance?
Verwenden Sie eine Skala von 1 (gering) bis 5 (sehr hoch). Das Produkt aus Schweregrad/Auswirkung und Eintrittswahrscheinlichkeit ergibt den Wesentlichkeitswert je Perspektive.
Beispiel – Thema „Treibhausgasemissionen“:
Impact-Bewertung: Schweregrad 4 (signifikante CO₂-Emissionen durch Produktion) × Wahrscheinlichkeit 5 (tritt sicher ein) = Impact-Score 20
Finanzielle Bewertung: Auswirkung 4 (CO₂-Bepreisung erhöht Energiekosten, Kunden fordern Reduktionsziele) × Wahrscheinlichkeit 4 (sehr wahrscheinlich in 2–3 Jahren) = Finanz-Score 16
Ergebnis: Hohe Wesentlichkeit in beiden Dimensionen → Kernthema
Gegenbeispiel – Thema „Biodiversität“:
Impact-Bewertung: Schweregrad 2 × Wahrscheinlichkeit 2 = Impact-Score 4
Finanzielle Bewertung: Auswirkung 1 × Wahrscheinlichkeit 1 = Finanz-Score 1
Ergebnis: Nicht wesentlich → Monitoring, kein akuter Handlungsbedarf
Die konkreten Schwellenwerte legen Sie selbst fest. Ein gängiger Ansatz: Ein Thema ist wesentlich, wenn der Score in mindestens einer Dimension über 9 liegt (z. B. 3×3). Dokumentieren Sie Ihren Schwellenwert transparent – das erleichtert die spätere Nachvollziehbarkeit.
Praxis-Tipp: Die Bewertung funktioniert am besten in einem Workshop mit 4–6 Personen aus verschiedenen Abteilungen. Unterschiedliche Perspektiven verhindern blinde Flecken – und schaffen gleichzeitig internes Buy-in für die Ergebnisse. → DWA Light ansehen – mit vorgefertigter Bewertungsmatrix und automatischer Berechnung.
Schritt 5: Wesentlichkeitsmatrix erstellen und Ergebnisse dokumentieren
Die Wesentlichkeitsmatrix visualisiert Ihre Ergebnisse auf einen Blick: X-Achse = Financial Materiality, Y-Achse = Impact Materiality. Jedes Thema wird als Punkt in der Matrix positioniert.
Das Ergebnis zeigt vier Quadranten:
Hohe Financial Materiality | Niedrige Financial Materiality | |
|---|---|---|
Hohe Impact Materiality | Kernthemen – höchste Priorität (z. B. CO₂-Emissionen, Arbeitssicherheit) | Impact-Fokus – gesellschaftlich relevant, aber begrenzt finanziell (z. B. Biodiversität) |
Niedrige Impact Materiality | Finanzieller Fokus – Risiko/Chance für Ihr Geschäft (z. B. regulatorische Änderungen) | Nicht wesentlich – Monitoring, kein akuter Handlungsbedarf |
Ein Thema gilt als wesentlich, wenn es in mindestens einer Dimension über dem von Ihnen definierten Schwellenwert liegt. Die ESRS empfehlen, diesen Schwellenwert transparent zu dokumentieren und zu begründen.
Dokumentieren Sie für jedes wesentliche Thema:
Die identifizierten IROs (Auswirkungen, Risiken, Chancen)
Die Bewertungsergebnisse beider Perspektiven
Die Entscheidung: wesentlich oder nicht wesentlich
Den Bezug zu Ihrer Wertschöpfungskette (wo in der Kette tritt das Thema auf?)
Diese Dokumentation ist nicht nur für eine spätere Prüfung wichtig. Sie dient Ihnen als Grundlage für Ihre ESG-Strategie und Ihr Nachhaltigkeitsprogramm.
3 Fehler, die fast alle bei der Wesentlichkeitsanalyse machen
Die Methodik ist klar. Trotzdem scheitern viele Unternehmen an denselben Stellen. Diese drei Fehler sehen wir immer wieder:
Fehler 1: Zu viele Themen auf der Shortlist
Der häufigste Fehler: Aus Angst, etwas zu übersehen, werden 25 Themen auf die Shortlist gesetzt. Das Ergebnis ist eine Matrix, in der alles irgendwie relevant aussieht – und nichts wirklich priorisiert wird.
Besser: Seien Sie konsequent beim Filtern. Ein produzierendes KMU hat typischerweise 8–12 wesentliche Themen. Nicht 25. Die Analyse soll Klarheit schaffen – nicht Komplexität erhöhen.
Fehler 2: Stakeholder nicht wirklich einbinden
Viele Unternehmen füllen die Bewertung intern aus und schicken das Ergebnis anschließend „zur Kenntnisnahme“ an Stakeholder. Das ist keine Einbindung – das ist Information.
Besser: Führen Sie mindestens 3–5 kurze Gespräche mit externen Stakeholdern (Kunden, Bank, Lieferant). Das müssen keine zweistündigen Workshops sein. Ein 30-minütiges Telefonat mit der Frage „Welche ESG-Themen sind für Ihre Zusammenarbeit mit uns relevant?“ reicht oft aus – und liefert Überraschungen.
Fehler 3: Ergebnisse nicht in Maßnahmen übersetzen
Die Matrix steht. Die wesentlichen Themen sind identifiziert. Und dann? Passiert nichts. Die Analyse landet in einer Schublade.
Besser: Jedes wesentliche Thema braucht mindestens eine konkrete Maßnahme. Nicht sofort einen Projektplan – aber ein klares „Wer macht was bis wann?“. Die Wesentlichkeitsanalyse ist kein Selbstzweck. Sie ist der Startpunkt für Ihren Maßnahmenplan.
Ein bewährtes Format: Ergänzen Sie Ihre Wesentlichkeitsmatrix um eine dritte Spalte „Nächster Schritt“. Für jedes wesentliche Thema notieren Sie dort eine einzige konkrete Aktion – mit Verantwortlichem und Frist. Das dauert 30 Minuten und verwandelt die Analyse in einen Handlungsplan.
Integration in bestehende Managementsysteme
Wenn Sie bereits ein Compliance-Management-System oder Risikomanagementsystem betreiben, nutzen Sie die Schnittstellen. Die finanzielle Perspektive der Wesentlichkeitsanalyse überschneidet sich mit Ihrer Risikoanalyse. Die Impact-Perspektive ergänzt sie um die gesellschaftliche Dimension. Statt parallele Prozesse aufzubauen, integrieren Sie die DWA in Ihre bestehende Risikolandkarte – mit einem zusätzlichen ESG-Blickwinkel. Das spart Aufwand und erhöht die Akzeptanz im Unternehmen.
Von der Analyse zur Strategie: So nutzen Sie die Ergebnisse
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist kein Reporting-Tool – sie ist ein Strategie-Instrument. Richtig eingesetzt, liefert sie drei konkrete Ergebnisse:
1. Fokus für Ihre ESG-Strategie: Die wesentlichen Themen definieren, worüber Sie berichten und – wichtiger – woran Sie arbeiten. Statt alles gleichzeitig anzugehen, konzentrieren Sie sich auf die 5–8 Themen mit dem höchsten Wesentlichkeitswert. Das spart Ressourcen und erhöht die Wirkung. Wie Sie daraus eine belastbare ESG-Strategie ableiten, beschreiben wir im Detail.
2. Basis für die Datenerfassung: Nur für wesentliche Themen müssen Sie Daten erheben. Das reduziert den Erfassungsaufwand erheblich. Ein produzierendes KMU mit 10 wesentlichen Themen braucht vielleicht 30–40 Datenpunkte – nicht 300. Die ESG-Datenerfassung wird dadurch handhabbar.
3. Value Creation identifizieren: Die finanzielle Bewertung zeigt, wo ESG echten Geschäftswert schafft. Themen mit hoher Financial Materiality und positiven Chancen sind Ihre Hebel: Energieeffizienz (Kostensenkung), ESG-Positionierung (bessere Finanzierungskonditionen durch Sustainability-Linked Loans), Arbeitgeberattraktivität (Talent-Attraction). Das ist keine Pflichtübung – das ist strategischer Vorteil.
Realistischer Zeitplan für KMU
Wie lange dauert eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse Light? Rechnen Sie mit 2–4 Wochen, verteilt auf vier Arbeitspakete:
Woche | Arbeitspaket | Aufwand |
|---|---|---|
1 | Unternehmenskontext dokumentieren, Stakeholder auswählen | 0,5–1 Tag |
1–2 | Stakeholder-Gespräche führen (3–5 Termine à 30 Min.) | 0,5 Tag |
2–3 | Longlist erstellen, Shortlist filtern, Bewertungs-Workshop | 1–1,5 Tage |
3–4 | Matrix erstellen, Ergebnisse dokumentieren, GF-Abstimmung | 0,5–1 Tag |
Gesamtaufwand: 3–4 Personentage. Das ist kein Vollzeitprojekt – Sie können die Analyse neben dem Tagesgeschäft durchführen. Der Bewertungs-Workshop (Schritt 4) ist der intensivste Teil. Planen Sie dafür einen halben Tag mit 4–6 Teilnehmenden ein.
Wie oft aktualisieren?
Die ESRS empfehlen, die Wesentlichkeitsanalyse jährlich zu überprüfen und bei wesentlichen Änderungen (neues Geschäftsfeld, Akquisition, regulatorische Änderung) zu aktualisieren. Für KMU reicht ein jährlicher Review-Termin: Stimmen die wesentlichen Themen noch? Haben sich Bewertungen verschoben? Sind neue Themen hinzugekommen?
Planen Sie diesen Termin fest ein – idealerweise gekoppelt an Ihren jährlichen ESG Management Report an die Geschäftsführung.
Checkliste: Haben Sie an alles gedacht?
Bevor Sie Ihre Wesentlichkeitsanalyse abschließen, prüfen Sie:
Unternehmenskontext und Wertschöpfungskette dokumentiert?
Mindestens 3–5 Stakeholder eingebunden (nicht nur informiert)?
Longlist auf Basis der ESRS-Standards erstellt?
Shortlist auf 8–15 Themen reduziert?
Jedes Thema aus beiden Perspektiven (Impact + Financial) bewertet?
Schwellenwerte definiert und dokumentiert?
Wesentlichkeitsmatrix erstellt?
Für jedes wesentliche Thema: IROs (Auswirkungen, Risiken, Chancen) benannt?
Ergebnisse mit der Geschäftsführung abgestimmt?
Nächster Review-Termin festgelegt?
Wenn Sie alle Punkte abhaken können, haben Sie eine belastbare Grundlage für Ihre ESG-Strategie – und sind gleichzeitig vorbereitet, falls Ihr Unternehmen später CSRD-pflichtig wird.
Nächster Schritt: Ihre doppelte Wesentlichkeitsanalyse starten
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Head of Governance, Risk & Compliance · MBA-Dozent · Podcast-Host
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